The Story of Bülent Aris & Lentrome Music

Die Hits kennt wohl jeder. Mit Stars den Backstreet Boys, ‘N Sync Nana und Fun Factory landete Bülent Aris von „I wanna B with U“ über „Get down“ und „U drive me crazy“ bis „Lonely“ nicht nur in den 90er Jahren unzählige Ohrwürmer. Die Songs haben inzwischen längst Kult-Status erreicht und dürfen bis heute auf keiner Retro-Party fehlen. Und in den 2000er Jahren schrieb er für Sarah Connor ihren Welthit „Bounce“. Über den „Mann hinter diesen Hits“ ist dagegen nur wenig bekannt. Dabei ist der Produzent inzwischen seit Jahrzehnten erfolgreich, arbeitet nicht nur für internationale Chartgrößen, sondern hat auch einige talentierte Newcomer am Start, von denen man sicher noch viel hören wird. Bülent Aris wurde 1958 in Istanbul geboren und verbrachte dort die ersten Jahre seiner Kindheit: „Dann beschlossen meine Eltern, dass sie nicht mehr in der Türkei leben wollten, denn sie waren mit der Politik nicht so einverstanden“, erklärt er. Die Familie zog nach Berlin um, wo Aris aufgewachsen ist.

Schon mit drei Jahren bin ich das erste Mal mit der Musik in Berührung gekommen“, erinnert er sich und ergänzt grinsend: „Damals habe ich mit Stöcken aus dem Garten auf die Töpfe meiner Mutter geklopft“. Im Alter von elf Jahren fing er an, Keyboard zu spielen und interessierte sich zudem seit seinem elften Lebensjahr fürs Schlagzeug. Mit 16 gründete er schließlich seine erste eigene Band: „Unser Sänger war ein Farbiger, was Anfang der 70er noch eine Besonderheit war“, blickt Aris zurück. Die Gruppe tourte durch die Berliner Clubszene. Während die Musik schon seit seiner frühen Kindheit seine Leidenschaft ist, wusste Aris beruflich nicht so recht, was er machen sollte: „Mein Vater hat mich gezwungen, eine Lehre zu machen und die Hotellerie hat sich angeboten.“ Deshalb fing er mit 16 eine Ausbildung in einem Hotel an. „Doch dann wurde mir klar, dass das nicht das ist, was ich will“, blickt er zurück.

Mit 18 Jahren entschied sich Aris schließlich, seinen eigenen Weg zu gehen und seine große Leidenschaft von der Pike auf zu lernen. Zunächst wollte eine Musikhochschule zu besuchen. Doch schnell wurde ihm klar, dass er dazu früher hätte anfangen müssen, ein Instrument zu erlernen. „Deshalb musste ich diesen Traum aufgeben“, blickt er zurück. Stattdessen war er fortan viel mit Bands live unterwegs: „Das war schon immer mein Ding.“ Zudem kam er zum ersten Mal mit der Studioarbeit in Berührung, die in sehr interessiert hat: „Ich wusste, dass es mich irgendwann mal dahin ziehen wird“, sagt Aris. Bis zu seinem 20. Lebensjahr habe er für die damalige Zeit „sehr unkommerzielle Musik“ gemacht. „Wir waren eine der ersten Bands, die Reggae oder Funk live gespielt haben. Das war schon ziemlich abgefahren“, verrät er lächelnd. Mit Cover-Versionen von Bob Marley, Earth, Wind & Fire & Co. ließ sich damals allerdings nicht viel Geld verdienen: „Zumindest konnte ich nicht davon leben“, blickt er zurück.

Deshalb beschloss Aris Anfang der 80er Jahre, in Cover-Bands anzufangen. Mit ihren kommerziellen Pop-Repertoire von Abba bis zu den Bee Gees waren die Musiker nicht nur in ganz Deutschland, sondern sogar europaweit unterwegs: „Ich habe mich dabei recht wohl gefühlt und viel gelernt“, steht für ihn heute fest. Denn auch wenn es einfach klinge, die Hits von anderen nachzuspielen, sei es oft schwer, bekannte Nummern so zu interpretieren, dass sie sofort wiederzuerkennen sind.

„Ich wollte so viel Musik wie möglich machen“, sagt Aris. Nach einem Zwischenfall mit seinen Mitstreitern entschied er jedoch 1984, das „Cover-Ding“ an den Nagel zu hängen und zog nach Hamburg. Um sich über Wasser zu halten, besann er sich darauf zurück, wieder als DJ in den Clubs aufzulegen, was er bereits Anfang der 70er-Jahre getan hat. Mit Disco-Classics konnte er nicht nur gutes Geld verdienen. Immer Gegensatz zu seinen DJ-Kollegen kannte er auch den Sound der 70er von Earth, Wind & Fire bis Kool & The Gang. Sein Job machte ihm super viel Spaß. „Zudem habe ich in dieser Zeit gelernt, wie Hits funktionieren“, ergänzt er.

Nebenher hat Aris immer versucht, im Studio zu arbeiten. Über einen Freund lernte er den Produzenten Kuno Dreise kennen, dem er irgendwann vorgeschlagen hat: „Warum machen wir nicht mal einen Dance-Remix des Klassikers ‚New York, New York‘ von Frank Sinatra?“ Gesagt, getan. In einem Mini-Studio nahm er mit seiner ersten Drum-Maschine und Ein-Zoll-Bändern eine Demo-Version auf. „So bin ich zu meiner ersten Musik-Produktion gekommen“, erinnert er sich an diese Arbeit, die ihn sehr beeinflusst hat. Der Song sei zwar kommerziell weniger erfolgreich gewesen, gesteht Aris ein. Doch er habe damit seine eigene Unterschrift hinterlassen – und das war ihm wichtig.

1985 legte Aris in der riesigen Disco „Ziegelei“ in Großweeden (Schleswig-Holstein) auf. Dabei habe er gerne „A View To a Kill“ von Duran Duran, den Titelsong zu dem gleichnamigen James-Bond-Film, gespielt. Während er die Nummer super fand, kam diese beim Publikum nicht an. Deshalb habe er überlegt, eine neue Dance-Version des Titels zu produzieren: „Zu der damaligen Zeit gab es aber keinen Song in den Top Ten der Charts, der ein Remix war“, blickt er zurück. Deshalb habe niemand daran geglaubt, dass sein Vorhaben zum Erfolg werden könnte. Ganz abgesehen davon, dass man für einen James-Bond-Hit bestimmt auch nicht die Rechte bekommen würde, diesen zu remixen.

Doch Aris verfolgte sein Projekt ehrgeizig weiter. Er erhielt die Zusage, veröffentlichte unter dem Namen „DJ’s Factory“ den Klassiker neu und hatte schon damals einen guten Riecher: Seine Single stieg in die Top 20 der Charts ein und verkaufte sich etwa 100.000 Mal!

Im Hamburger Studio von Adrian Askew, mit dem er die Dance-Version produziert hat, probierte er sich weiter aus, fuchste sich in diese Arbeit rein und griff ihm unter die Arme. Zudem schrieb er eigene Songs: „Ich hätte mich aber nie selbst Produzent genannt. Das war eine zu große Sache für mich“, sagt er. Denn zum Produzenten müsste man von anderen ernannt werden. Vielmehr plante er, eine Gesangskarriere zu starten.

Doch dann kam es zu einem einschneidenden Erlebnis: Aris passte auf das Haus eines Freundes auf, der in Urlaub weilte, und nutze die Zeit, in dessen Kellerstudio zu arbeiten. Als sein Kumpel heimkehrte und Aris ihm vorspielte, was er während seiner Abwesenheit gemacht habe, sagte dieser zu ihm: „Du musst aufhören zu singen, Du bist ein Produzent!“ Daraufhin dachte sich der Musiker: „Wenn das schon ein Freund sagt, der mehrere Hits hatte, musst Du das auch machen.“

1989 wechselte er ins „Studio 33“ von Louis Rodriges Dort konnte Aris in Ruhe arbeiten und mit dem Produzieren anfangen. Zwar gab es zwischen den beiden keinen Vertrag, aber einen Deal: Alles, was Aris herausbrachte, wurde bei Louis Label verlegt.

In dieser Zeit baute Aris auch „Fun Factory“ auf. Er stellte die Mitglieder der Eurodance-Band zusammen und produzierte sie. 1993 landete die Gruppe mit ihrer Nummer „Groove me“ ihren ersten Erfolg. Der Song verkaufte sich immerhin fast 30.000 Mal. Zusammen mit seinem Kumpel Rainer, der die Rechte an dem Namen „Fun Factory“ besaß, produzierte Aris danach weitere Hits der Band.

Schon die folgende Single „Close to you“ von Fun Factory schaffte es nicht nur in Deutschland, sondern sogar weltweit in die Charts. Zu dem Song angespornt wurde Aris übrigens durch Louis Rodriges. Diesen habe er, als er bei schweißtreibenden Temperaturen mitten in der Sommerhitze im Studio saß, quasi angefleht, doch endlich mal eine Klimaanlage anzuschaffen. Und Louis Rodriges entgegnete ihm: „Mach Du mal einen Hit, dann bekommst Du das Ding.“

Mit „Close to you“ kam auch die Eurodance-Welle ins Rollen. Anfang 1996 gründete Aris schließlich seine eigene Musik-Produktionsfirma „Booya Music“. Ende des Jahres wechselte dann Toni Cottura von Lewis ?? Firma zu Aris. Der Hamburger war auch Mitglied von „Fun Factory“ und konnte zudem mit zahlreichen anderen renommierten Acts Erfolge landen.

Der Rest ist quasi Musikgeschichte. Die beiden produzierten für zahlreiche nationale und internationale Top-Chartstürmer Hit auf Hit. „So haben wir zum Beispiel gleich am Anfang ihrer Karriere für die Backstreet Boys gearbeitet“, blickt Aris zurück. Er nahm mit Cottura und der Boyband den Ohrwurm „Get down“ auf. 1997 kam dann N‘ Sync dazu. Für die Gruppe, aus der US-Superstar Justin Timberlake hervorging, produzierten sie unter anderem die Nummer „U drive me crazy“. Auch für Hits wie „Darkman“ und „Cherish“ von den Rappern Nana und Pappa Bear zeichneten sie verantwortlich.

Nana sorgte damals übrigens nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seiner privaten Vergangenheit für Schlagzeilen. Ihm drohte eine Gefängnisstrafe: „Das haben wir nicht versteckt, sondern damit provoziert“, verrät Aris. Nanas Single „Lonely“ schaffte es so auf den heiß umkämpften Platz eins der Charts.

Während sein Partner Toni Cottura im Vordergrund stand und auch immer wieder mit den Acts tourte, war Aris der Mann im Hintergrund. Tage und Nächte lang sorgte er im Studio für neuen Hit-Nachschub. 1998 wurden sie in der Kategorie „Bester Produzent“ mit dem Musikpreis „Echo“ geehrt. „Zu dieser Zeit gab es quasi keinen Künstler, der nicht mit uns arbeiten wollte“, sagt Aris. Nicht selten musste sie jedoch aus Zeitmangel absagen.

Im Gegensatz zu den heutigen Produktionen, bei denen die Künstler ihre Songs häufig an einem ganz anderen Ende der Welt aufnehmen, war das zu dieser Zeit noch anders: „Alle, die wir produziert haben, waren auch persönlich in unserem Studio“, ergänzt er.

echo

Ende 1999 stieg Toni Cottura schließlich aus und Aris führte „Booya Music“ als alleiniger Gesellschafter erfolgreich weiter, produzierte unter anderem Mustafa Sandal, T.Q. und Sarah Connor. So ist mit „Bounce“ auch der einzige weltweit erfolgreiche Hit der deutschen Soul-Diva in seinem Studio entstanden.

Doch 2006 forderte Aris unermüdliche Arbeit und die unzähligen Stunden, die er in den vergangenen Jahren Tag und Nacht im Studio verbracht hatte, ihren Tribut. „Ich stand kurz vor dem Burnout“, verrät er. Er habe einfach raus gemusst und zog nach Spanien. Aber auch auf Mallorca ließ ihn seine große Leidenschaft, die Musik, nicht los. Er arbeite für bekannte Größen des Landes wie Marta Sánchez & Co. und David Bisbal.

Nach drei Jahren wollte er schließlich 2009 zurück nach Deutschland. Zunächst lebte er wieder in Hamburg, dann zog er aus familiären Gründen nach Berlin um. Zunächst war er in verschiedenen Studios tätig, unter anderem auch im legendären „Hansa Studios“.

Schließlich entschied sich Aris, wieder „ernsthaft“ im Musikbiz zu arbeiten und baute sich ein eigenes Studio in seinem Haus: „Wenn, dann richtig“, sagt er schmunzelnd. Zusammen mit seinem jetzigen Geschäftspartner Jerome Steinberg gründete er in Bottrop dann 2019 die Firma „Lentrome“.

Ihre Künstler reichen von talentierten Newomern bis zu angesagten Chartgrößen und von Hip-Hop über Pop bis Dance quer durch die unterschiedlichsten Genres. Zudem arbeiten die beiden mit einem DJ zusammen, der Remixe produziert. Auch internationale und türkische Top-Künstler wie Hadise und Mustafa Sandal setzen auf die deutschen Musik-Profis.

Trotz seiner langjährigen Erfahrung und seinen zahlreichen Erfolgen im Musikgeschäft ist es Aris wichtig, immer trendy zu sein – und das hört man seinen neuen Produktionen sofort an. „Es gibt ein Gesetz, dass Produzenten, die früher erfolgreich waren, heute keine Hits mehr landen. Das möchte ich durchbrechen“, erklärt er sein persönliches Ziel.

Mit seinen aktuellen Künstlern und Songs wird ihm dies sicher gelingen. Die Erfolgs-Geschichte von Bülent Aris und seinem Partner Jerome Steinberg ist noch lange nicht zu Ende….